Fokussiert: Das REGIONALE 2025 Handlungsfeld Mobilität

Mobilität Odenthal
Mobilität ist ein wichtiges Querschnittsthema im Rahmen der REGIONALE 2025 und wird auch bei der Entwicklung von Ortsmitten, wie hier in Odenthal, berücksichtigt. Fotonachweis: REGIONALE 2025 Agentur


Kann der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Bergischen RheinLand eine Alternative zum Auto werden? Wie können Klimaschutz und Mobilität Hand in Hand gehen? Wie können überlastete Infrastrukturen entlastet werden? Mit welchen Projekten lässt sich der Radverkehr sicherer und komfortabler machen? In der Artikelreihe zu den Handlungsfeldern der REGIONALE 2025 dreht sich in dieser Ausgabe alles um das Thema Mobilität, das angesichts von Kapazitätsengpässen im Verkehrsnetz und des Klimawandels ein zentrales Thema unserer Zeit ist.

Ob zur Arbeit oder in der Freizeit, im Urlaub oder bei den täglichen Besorgungen – Mobilität bestimmt unseren Alltag. Das Bergische RheinLand ist durch eine heterogene Siedlungsstruktur mit zahlreichen Dörfern und Weilern sowie eine Topographie mit Mittelgebirgscharakter geprägt. Um zur Arbeit zu kommen, muss ein Großteil der hier lebenden Bevölkerung pendeln – vorrangig mit dem Auto, aber auch mit dem ÖPNV oder dem Fahrrad. Insgesamt pendeln rund 158.000 Personen, die im Bergischen RheinLand wohnen, zu Arbeitsplätzen außerhalb des Bergischen RheinLandes. Davon fahren alleine über 55.000 Menschen nach Köln, weitere 10.000 jeweils nach Leverkusen, Bonn oder ins Bergische Städtedreieck[1]. Angesichts dieser Zahlen sind Engpässe im Verkehrsnetz und eine höhere Feinstaubbelastung nicht verwunderlich. Dies beeinflusst die Lebensqualität der Menschen im Bergischen RheinLand, die zu ihren Arbeitsplätzen pendeln. 

Außerdem gewinnt auch die Erreichbarkeit der Daseinsvorsorge in den Kommunen immer stärker an Bedeutung, vor allem durch den wachsenden Anteil an alten Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Auch durch flexiblere Arbeitsmodelle – nicht zuletzt getrieben durch die Corona -Pandemie – steigt die Nachfrage nach Vor-Ort-Angeboten und entsprechender Nahmobilitätmöglichkeiten. Hinzu kommt der Klimawandel, der ein Umdenken hin zu klimafreundlicherer Fortbewegung bewirkt.

[1] Eigene Berechnungen nach Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (2018), abgerufen von www.pendleratlas.nrw.de


Fahrradfahreer auf Agger-Sülz-Radweg
Mit dem familienfreundlichen Ausbau des Agger-Sülz-Radwegs sollen die Nah- und Pendlermobilität gefördert und die Flusskorridore Agger und Sülz erlebbar gemacht werden. Fotonachweis: REGIONALE 2025 Agentur


Vor diesem Hintergrund braucht es intelligente, auf die Zukunft ausgerichtete Mobilitätsangebote, die in die Raumstrukturen des Bergischen RheinLandes eingebettet sind, kurze Distanzen anstreben und nicht noch mehr Verkehr generieren. Diese Entwicklung handlungsfeldübergreifend voranzutreiben, ist ein wichtiges Thema im Rahmen der REGIONALE 2025.  

Mobilität als Querschnittsthema denken
Der Bedarf an innovativen Mobilitätslösungen im Projektraum ist groß. Das unterstreicht auch die aktuelle Projektlandschaft: Von 54 Projekten im Qualifizierungsprozess der REGIONALE 2025 sind zwölf Projekte dem Handlungsfeld Mobilität zuzuordnen. Die Projekte sind dabei nicht immer reine Mobilitätsvorhaben, sondern verfolgen vielmehr einen integrierten Ansatz, um Ansprüche aus den Bereichen Konversion, Naturschutz, Klimaschutz oder Ortmittenentwicklung zu vereinen. Eine erfolgreiche Umsetzung kann nur gelingen, indem Kreise, Kommunen, Verkehrsunternehmen, Wirtschaft und Wissenschaft aus dem Bergischen RheinLand eng zusammenarbeiten und „das große Ganze“ im Blick behalten. So spielt das Thema Mobilität bei der Entwicklung neuer Quartiere, der Belebung von Ortskernen oder der Weiterentwicklung von Landschaftsräumen eine wichtige Rolle. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und demografischer Veränderung geht es heutzutage verstärkt darum, dass alltägliche Ziele gut erreichbar sind oder das Verkehrsangebot an einzelnen Projektstandorten zu verbessern. Außerdem hilft eine integrierte Planung auch dabei, Besucher gezielt zu lenken und schützenswerte Bereiche der Kulturlandschaften zu entlasten.  

Hier unterstützt die REGIONALE 2025: Sie qualifiziert und realisiert im Handlungsfeld Mobilität Projekte, die unterschiedliche Aspekte sinnvoll miteinander verbinden und so das Bergische RheinLand für seine Bewohner attraktiver und lebenswerter machen. Dabei ergeben sich Bezüge zu den Handlungsfeldern Wohnen und Leben sowie Fluss- und Talsperrenlandschaft.

ÖPNV-Angebot stärken
Der ÖPNV ist ein wesentlicher Bestandteil eines multimodalen Verkehrsangebots, der im Rahmen der REGIONALE 2025 Bergisches RheinLand ausgebaut werden soll. Ziel ist es, vor allem Berufspendler und Ausflügler mit Verkehrsmitteln wie Bus und Bahn effizient zu befördern, um den Individualverkehr zu senken, die Straßeninfrastruktur zu entlasten und so auch die CO2-Emmissionen zu senken. Zudem trägt der ÖPNV in der Nahmobilität zur Daseinsvorsorge bei und ermöglicht vor allem Jugendlichen einen größeren Aktionsradius und älteren Menschen den Gang zum Arzt oder zum Supermarkt. Damit ist Mobilität Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe aller Generationen. Um den ÖPNV im Bergischen RheinLand in diesem Sinne weiterzuentwickeln, sollen im Rahmen der REGIONALE 2025 wegweisende Projekte in geeigneten Modellräumen umgesetzt werden. Dazu zählen insbesondere Schnellbusangebote, die auf ausgewählten Hauptachsen umgesetzt werden sollen. In der Fläche forciert die REGIONALE 2025 innovative, nutzerfreundliche, bedarfsgerechte und wirtschaftliche Lösungen, die eine bessere Daseinsvorsorge ermöglichen und als Zubringer fungieren sollen.  

Mit dem Projekt Modellvorhaben On-Demand-Bus vs. Ortsbus testet der Rhein-Sieg-Kreis in der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid hier ab August dieses Jahres zwei Lösungsansätze. Bei dem Projekt geht es darum, im eher ländlich geprägten Raum Erfahrungen mit einem ÖPNV-Angebot „on demand“ zu machen und es mit einer klassischen Linienbustaktung zu vergleichen. Dafür wird ein nutzerfreundliches On-Demand-Angebot mit virtuellen Haltestellen zur Anbindung der kleinen Ortsteile an die Hauptachsen eingerichtet. Darüber hinaus soll eine neue Ortsbuslinie die beiden Hauptorte Neunkirchen und Seelscheid verbinden. Ziel ist die Verbesserung des ÖPNV-Angebots in der Fläche. Das Projekt startet im August 2021 und hat eine Laufzeit von drei Jahren. Durch den vergleichenden Ansatz können die Ergebnisse auch auf andere Kommunen und Kreise übertragen werden.

Busse OVAG
Das Projekt Schnellbusse im Bergischen RheinLand wird durch ein attraktives ÖPNV-Angebot eine schnelle Anbindung sogenannter „schienenferner Räume“ an den Bahnverkehr ermöglichen. Fotonachweis: OVAG

Schnellbusse und (grüner) Wasserstoff
Für eine schnellere und leistungsfähigere Anbindung des Projektraums an die Rheinschiene wird das Projekt Schnellbusse im Bergischen RheinLand sorgen. Dabei werden größere Ortschaften, die in den schienenfernen Räumen des Bergischen RheinLandes liegen, über ein kreisübergreifendes Schnellbussystem an den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) angebunden. Das Projekt entlastet nicht nur die bestehende Straßeninfrastruktur, sondern ermöglicht auch eine bessere und klimafreundlichere Verkehrsanbindung an die Zentren der Rheinschiene. Mit der Schnellbuslinie SB 56 zwischen Much und Siegburg nimmt im Sommer 2021 die erste Linie Fahrt auf, weitere Linien folgen sukzessive.  

Auf Klimaschutz und CO2-Einsparung setzt das Projekt Grüner Mobilhof GL. Ziel ist die Einrichtung eines emissionsarmen Betriebshofs, der die Betankung von Bussen mit klimaschonendem (grünem) Wasserstoff, der möglichst aus regionalen Ressourcen und Bio-Erdgas hergestellt wird. Damit ist das Projekt ein wichtiger Baustein, um die regionale Mobilität zu verbessern und weist zudem Querbezüge zum Handlungsfeld Ressourcenlandschaft auf.  

Fahrradinfrastruktur im Bergischen RheinLand ausbauen
Apropos klimaschonend: Das Fahrrad erlebt seit geraumer Zeit einen Boom. Auch im Bergischen RheinLand nimmt der Radverkehr zu. Insbesondere das E-Bike gewinnt – neben der Nutzung als Freizeitgerät – als Fortbewegungsmittel für die täglichen Arbeitsweg oder in der Nahmobilität an Bedeutung. Jedoch besteht im Projektraum Nachholbedarf bei der Fahrradinfrastruktur, die aktuell eher für Ausflüge als für den Alltagsverkehr ausgelegt ist. Ein erster Schritt, um das Fahrrad als Verkehrsmittel im Projektraum zu stärken, sind die Mobilstationen im Bergischen RheinLand. Sie erleichtern den Übergang zwischen den Verkehrsmitteln und ermöglichen Multimodalität im Alltag. Je nach Standort sind die Mobilstationen mit unterschiedlichen Verkehrsangeboten ausgestattet, Nutzer können einfach und bequem vom Fahrrad auf die Bahn oder den Bus wechseln. Durch eine geschickte Standortwahl kann der Gang zum Nahversorger oder der Post oftmals direkt erledigt werden. Das erhöht den Nutzen der Mobilstation und vermeidet zusätzlichen Verkehr. 2020 wurden Mobilstationen in Kommunen des Rheinisch-Bergischen Kreises in Betrieb genommen und mit einem Pedelec-Verleihsystem ausgestattet. In diesem Jahr startet auch im Rhein-Sieg-Kreis ein entsprechender Fahrradverleih. Perspektivisch sind Mobilstationen auch im Oberbergischen Kreis angedacht. Der Oberbergische Kreis erarbeitet hierzu gerade ein Feinkonzept.

Bergisches E-Bike
Mobilstationen ermöglichen den einfachen Umstieg zwischen verschiedenen Verkehrsträgern. Das Pedelec-Verleihsystem „Bergische E-Bikes“ wurde 2020 an den Mobilstationen im Rheinisch-Bergischen Kreis installiert. Fotonachweis: REGIONALE 2025 Agentur/Julia Holland

Darüber hinaus befinden sich mit den RadPendlerRouten im Rechtsrheinischen und Agger-Sülz-Radweg zwei weitere Projekte im Qualifizierungsprozess der REGIONALE 2025, die komfortable Radwegeverbindungen in Modellkorridoren und damit Anschlüsse an Hauptrouten ermöglichen sollen. Beim Projekt RadPendlerRouten sind möglichst störungsfreie Radwege zwischen Köln und dem Bergischen RheinLand sowie weiteren Nachbarkommunen geplant. Der Agger-Sülz-Radweg stellt eine der wenigen Verbindungen im Bergischen RheinLand dar, die in Nord-Süd-Richtung verläuft und viele Orte miteinander verknüpft. Im Rahmen des Projektes soll der Lückenschluss im überregionalen Radwegenetz zwischen dem Bergischen Panoramaradweg im Norden (über Wipperfürth) und dem Siegtalradweg im Süden (über Siegburg) geleistet und dadurch die Lebensqualität vor Ort erhöht werden.

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