Inspiration für die (Wieder)belebung von Brachflächen

Flyer Forum Brachen Weiter geht's
Screenshot: REGIONALE 2025 Agentur

Welche Schritte sind für eine Brachflächenentwicklung nötig? Wie lassen sich dabei Bestandsgebäude integrieren? Wie unterscheiden sich öffentliche und private Blickwinkel? Diesen und anderen Fragen widmete sich das Forum der Reihe „Weiter geht’s!“ am 25. November 2025.  

Im Bergischen RheinLand – wie auch in anderen Regionen – gibt es zahlreiche Flächen, deren bisherige Nutzung aufgegeben bzw. teilweise oder ganz zurückgefahren wurde. Beispiele sind das Zanders-Areal in Bergisch Gladbach, das Rhombus-Areal in Wermelskirchen, das Hermes-Areal in Windeck, ein Teil des Radium-Areals in Wipperfürth, Textilfabriken in Radevormwald oder das Seequartier in Wiehl. Diese Flächen bieten ein großes Potenzial, um neue Impulse in der Stadtentwicklung zu setzen. Sie bergen aber auch große Herausforderungen, z.B. wenn Altlasten vorliegen.

In jedem Einzelfall stellt sich die Frage, WIE aus einer Brachfläche ein neues Quartier für Wohnen oder Gewerbe werden kann. Für das letzte Forum der Reihe „Weiter geht’s!“ im Jahr 2025 wurden dazu zwei Referenten mit spannenden Beispielen eingeladen: Achim Willke, Mitglied der Geschäftsleitung von Solingen.Business, stellte das Revitalisierungsprojekt Change.Campus in Solingen-Stöcken vor. Auf dem ca. 7 ha großen Gelände eines ehemaligen Schneidwarenherstellers Rasspe entsteht ein modernes Gewerbegebiet mit klarer Ausrichtung auf Nachhaltigkeit. Für die Sanierung der Altlasten auf dem Areal, die 2022 abgeschlossen wurde, konnte der AAV als kompetenter Partner gewonnen werden. Zudem fand sich ein privater Investor zur Sanierung und Umnutzung prägender Gebäude im Eingangsbereich des Areals. Sie sind bereits eröffnet und bezogen. Bei der Umnutzung wurden Bauteile kreativ wiederverwendet (Ziegel) oder umgenutzt (Treppenstufen zu Tischplatten). Mit Unterstützung von Mitteln aus dem Regionalen Wirtschaftsförderungsprogramm (RWP) des Landes Nordrhein-Westfalen wird in 2026 die Erschließung des Areals für Neubauten beginnen. Zudem wird ein Eisspeicher entstehen, der die nachhaltige Energieversorgung des Areals ermöglicht. Der Change.Campus zeichnet sich durch ein innovatives Mobilitätskonzept aus, bei dem ein Mobilitätshub unter Einbeziehung der zukünftigen Eigentümer entsteht.  

Den Blickwinkel eines privaten Immobilienentwicklers auf eine Industriebrache konnten die Gäste beim zweiten Input erhalten: Dr. Max von Bredow, Geschäftsführender Gesellschafter der Max von Bredow Baukultur GmbH (MvB), stellte die Entwicklung des Areals rund um die Alte Spinnerei in Kolbermoor (Bayern, Umland München) vor. Nach einigen Jahren des Leerstands wurde das Areal Stück für Stück zu einem Quartier, das Wohnen, vielfältiges Gewerbe, Gastronomie und einen Kindergarten beherbergt. Dabei wurden Bestandsgebäude saniert, Neubauten ergänzt und die verbleibende Parkanlage zum öffentlichen Raum. Für das Gelingen des Projektes waren die konstruktive Kommunikation mit der Gemeinde Kolbermoor sowie die starken Entwürfe des Architekturbüros Behnisch Architekten bedeutsam. Zudem hob Dr. Max von Bredow die Vorteile des Denkmalschutzes oder einer Sanierungssatzung hervor, deren steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für private Entwickler interessant sind. Mit eindrucksvollen Vorher-Nachher-Bildern konnte die Entwicklung der Alten Spinnerei nachvollzogen werden.  

In der anschließenden Diskussionsrunde wurden Nachfragen nach der genauen Struktur hinter dem Solinger Mobilitätshub und zur Auslobung von Sanierungsgebieten erörtert. Die Vortragenden waren sich einig: Es lohnt sich trotz zusätzlicher Risiken, bei der Entwicklung von Brachen den Gebäudebestand mitzudenken, da er dem Ort einen besonderen Charakter gibt.

Die rund 30 Gäste des Forums konnte viel Inspiration und konkrete Handlungsempfehlungen für ihre eigenen Projekte mitnehmen. Auch im kommenden Jahr werden weitere Foren den Wissenstransfer zur Bestandsentwicklung im Bergischen RheinLand voranbringen. Wenn Sie interessiert sind, können sich hier eintragen, um auf kommende Veranstaltungen hingewiesen zu werden.