Mit Zuversicht in die Zukunft: lit.COLOGNE zu Gast in Gummersbach

Am 21. September 2025 gastierte das internationale Literaturfestival lit.COLOGNE bereits zum zweiten Mal im Bergischen RheinLand. Auf dem Steinmüller-Gelände in Gummersbach sprachen der Kölner Bestsellerautor Frank Schätzing und Prof. Dr. Maike Sippel, Professorin für nachhaltige Ökonomie und Mitglied der Deutschen Gesellschaft Club of Rome, über gesellschaftlichen Wandel in Zeiten des Klimawandels, konstruktive Lösungsansätze und Zuversicht als wichtigste Ressource für eine hoffnungsvolle Zukunft.
Mehr als 300 geladene Gäste fanden den Weg in die Halle 32, in dem die Veranstaltung unter dem Titel „Alles Ressource!“ stattfand und gleichzeitig der Titel eines der Zukunftsthemen der REGIONALE ist. Veranstaltet wurde die lit.COLOGNE in Kooperation mit der REGIONALE 2025 und der Kreissparkasse Köln.
Den Beginn des Abends leitete Dr. Reimar Molitor, Geschäftsführer der REGIONALE 2025 Agentur, mit einem Hinweis auf das im Juli 2025 eröffnete Kunstwerk „ECHO“ an der Aggertalsperre ein. Die Installation, die mit dem Element Wasser und der Landschaft spielt, lädt die Menschen dazu ein, sich mit der heimischen Ressourcennutzung und dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.
Ressourcenreiches Bergisches RheinLand
Wie aktuell und wichtig dieses Thema ist, wurde im anschließenden Podiumsgespräch deutlich. Molitor und Rainer Osnowski, Geschäftsführer der lit.COLOGNE GmbH, sprachen mit Jochen Hagt, Landrat des Oberbergischen Kreises, ARD-Meteorologe Karsten Schwanke und Thomas Pennartz, Vorstand der Kreissparkasse Köln (KSK) über die Auswirkungen des Klimawandels auf das Leben im Bergischen RheinLand und auf den Umgang mit den vorhandenen Ressourcen. Hagt betonte im Gespräch, dass der Raum von Ressourcen geprägt sei – Wasser, Wald, Gras und Stein sind allgegenwärtig und haben diese Kulturlandschaft geformt. Gleichzeitig unterstrich er die Bedeutung des Landesstrukturprogramms REGIONALE für das Bergische RheinLand: man habe viele Projekte auf den Weg gebracht, die eine nachhaltige Nutzung von Rohstoffen fokussierten. Stellvertretend nannte er die bergische rohstoffschmiede als ein Beispiel.
Wald als Klimaanlage
Karsten Schwanke knüpfte mit Blick auf den Klimawandel daran an: Er bezeichnete das Bergische RheinLand als Vorzeigeraum mit großem Innovationsgeist, der von seiner Mittelgebirgslage profitiere. Im Vergleich zur Rheinschiene sei es hier immer zwei bis drei Grad kühler. Dennoch würde immer noch unterschätzt, welche Auswirkungen der Klimawandel konkret habe. Eine der wichtigsten Fragen sei, wie der Wald „fit für die Zukunft“ gemacht werden könne. Denn der Wald sei die größte natürliche Klimaanlage die wir haben, das gelte insbesondere für das waldreiche Bergische RheinLand. Angesprochen auf die wichtige Ressource Wasser plädiert Schwanke für ein kluges Wassermanagement. Bisher musste man sich in Deutschland nie Gedanken um Wasser und Versorgungssicherheit machen. Aufgrund von längeren Dürreperioden und länger anhaltenden Regenfällen werde es künftig eine Verteilungsdiskussion geben. Um die Folgen des Klimawandels abzupuffern, werde man um den Bau von neuen Speicherseen nicht herumkommen, so die Prognose des Meteorologen.

Sprachen über die Bedeutung der Ressourcen im Bergischen RheinLand: Dr. Reimar Molitor (Geschäftsführer REGIONALE 2025 Agentur), Jochen Hagt (Landrat Oberbergischer Kreis), Karsten Schwanke (ARD-Meteorologe), Thomas Pennartz (Vorstand Kreissparkasse Köln) und Rainer Osnowski (Geschäftsführer lit.COLOGNE GmbH) (v.l.n.r.). Fotonachweis: REGIONALE 2025 Agentur
Thomas Pennartz betrachtete wiederum die wirtschaftliche Seite der Klimaveränderungen. Es werde extreme Preissteigerungen insbesondere bei den Nebenkosten geben. Gleichzeitig sei der Mittelstand bei langfristigen Projekten bereit, in energetische Maßnahmen zu investieren. Die Unternehmen warteten jedoch auf stabile politische Rahmenbedingungen. Die KSK habe deshalb eine Gesellschaft gegründet, um Unternehmen zu beraten und zu unterstützen, so Pennartz.
Positiver Umgang mit der Klimakrise
Anschließend sprachen Frank Schätzing – bekannt als Autor des Thrillers „Der Schwarm“ – und Maike Sippel, Professorin für nachhaltige Ökonomie an der Hochschule Konstanz und Mitglied der Deutschen Gesellschaft Club of Rome, über die Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur. Sippel hat gerade ihr Erstlingswerk „Die Welt, der Wandel und ich – Orientierung in bewegten Zeiten“ veröffentlicht, in dem sie zwölf mutige Gedanken präsentiert, wie die Welt positiv verändert werden kann. Schätzing hat im Jahr 2021 mit „Was, wenn wir einfach die Welt retten – Handeln in der Klimakrise“ ein Buch geschrieben, das Wege aus der Klimafalle aufzeigt und verschiedene Zukunftsszenarien durchspielt. Moderiert wurde der Austausch von WDR-Moderatorin Julia Schöning, die zum ersten Mal in Gummersbach zu Gast war und sich begeistert von der Stadt und dem Steinmüller-Areal zeigte.
In der lebhaften Diskussion loteten die drei gemeinsam aus, wie der Wandel hin zu einem positiveren Umgang mit Krisen und Bedrohungen gelingen und eigenes Handeln zu einem Umdenken in der Gesellschaft führen kann. Ankerpunkt des Gesprächs war dabei der Klimawandel, der als „Meta-Katastrophe“ alle Menschen betrifft – und die Frage, wie eine gute Zukunftsvision aussieht.
Enkeltaugliche Zukunft im Fokus
Schätzings These: der Klimawandel sei nach wie vor abstrakt, für die Menschen nur schwer vorstellbar und könne deshalb „klein geredet“ werden. Viele Menschen fühlten sich von der Komplexität überfordert, das Thema werde oftmals zu akademisch vermittelt. Mit Büchern könne man die Menschen erreichen und auf diese Bedrohung mit anschaulichen Beispielen aufmerksam machen, etwa wenn Eiskappen schmelzen, daraufhin der Süßwassergehalt im Meer steigt und das ökologische Gleichgewicht in den Ozeanen durcheinandergerät.
Sippel betonte, dass der Klimawandel konkrete Auswirkungen auf das Leben jedes Einzelnen habe. Die Lebensqualität sinke, es gebe mehr Hitzetote, Migration nehme zu, es komme zu Wasserverteilungskämpfen, die nationale Sicherheit sei davon tangiert. Sie treibe die Frage um, wie eine enkeltaugliche Zukunft gesichert werden kann. Dies gelänge mit Hoffnung und dem Check des eigenen „Handabdrucks“, so die Autorin: „Es geht darum, sich selbst zu hinterfragen: Wie kann ich in meinem Umfeld tätig sein, um Dinge zu verändern und um zu einer positiven Entwicklung beizutragen“?
Schätzing ergänzte: „Wir sind drauf und dran, unserem Lebensraum zu zerstören. Zuversicht ist unsere wichtigste Ressource und diese erwächst aus dem Verstehen von Herausforderungen.“
Gute Nachrichten zum Abschluss
Auf die politische Ebene angesprochen, antwortete Sippel, dass die Akzeptanz für Entscheidungen und Maßnahmen zum Thema Umweltschutz in der Bevölkerung viel höher sei als angenommen. Auch Schätzing betonte, dass die Menschen einander mehr zutrauen müssten, um als Kollektiv zu wirken. Es gehe nicht um Verbote sondern darum, dass wir alle gemeinsam ein bisschen maßvoller leben – zum Wohle aller. Sippel wie Schätzing plädierten beide für weniger Angst, konstruktive Lösungen und eine positive Sicht auf die Dinge – es gebe mehr gute Nachrichten in der Welt als man gemeinhin annähme. Zum Beweis las Schätzing zum Abschluss des Gesprächs einige dieser positiven Nachrichten vor, beispielweise die erfolgreiche Pflanzung von einer Million Bäumen in Freetown in Sierra Leone, mit denen die Stadt Überschwemmungen vorbeugt, mehr CO2 bindet und die Lebensqualität der Einwohner verbessert.

Spielten Stücke aus dem Soundtrack des Bergischen RheinLandes und umrahmten die Veranstaltung musikalisch: Roman Wasserfuhr (Klavier) und Julian Wasserfuhr (Trompete) und Jörg Brinkmann (Cello). Fotonachweis: REGIONALE 2025 Agentur
Mit diesem ermutigenden Gedanken und der Musik von den beiden Jazz-Musikern Roman und Julian Wasserfuhr, die gemeinsam mit Cellist Jörg Brinkmann Stücke aus dem Album „ECHOES_Sound of Home“ präsentierten und die Veranstaltung musikalisch einrahmten, klang der Abend für die Gäste in der Halle 32 bei vielen Gesprächen aus. Erneut zeigte sich, dass die Idee, das Program der lit.COLOGNE im Bergischen RheinLand zu präsentieren, voll aufgegangen ist.
