Waldkrankenhaus zum Wachküssen
Gebäude mit historischem Charme und wechselvoller Geschichte gibt es viele im Bergischen RheinLand. Ein besonderes Schmuckstück ist das Waldkrankenhaus in Windeck-Rosbach – eine ehemalige Lungenheilanstalt der Kliniken der Stadt Köln, die seit über 20 Jahren im Dornröschenschlaf liegt, viel Entwicklungspotenzial bietet und darauf wartet, „wachgeküsst“ zu werden.
Das langgezogene Gebäudeensemble liegt oberhalb der Sieg direkt an der Hurster Straße – und beeindruckt mit seinem prächtigen Eingangsportal und seiner schieren Größe: 6.000 m2 Nutzfläche, verteilt auf mehrere Stockwerke. Eine Etage mit Behandlungsräumen, zwei Etagen mit Patientenzimmern, Gemeinschaftsbädern und WCs, dazu eine Großküche im weitläufigen Kellergeschoss. Überall finden sich anspruchsvolle Jugendstilelemente, angefangen beim Eingangsportal über die Holzverkleidung der Zwischentüren der Flure bis zu den Fenstern im prächtigen Speisesaal, die mit Blumenmotiven verziert sind. Und immer wieder der Ausblick ins Grüne.
Genesung an der frischen Luft
Erbaut wurde das Waldkrankenhaus 1902 von der „Stadtcölnischen Auguste-Viktoria-Stiftung“, um Tuberkulosekranke zu kurieren. Tuberkulose war damals eine Volkskrankheit, es gab noch kein Penicillin und die Ansteckungsrate war aufgrund der beengten Wohnverhältnisse in den Arbeitervierteln der Städte hoch. Die Lungenkranken konnten in Windeck-Rosbach an der guten Luft genesen. Weiterer Vorteil: Der Standort war und ist bis heute gut mit der Bahn aus Köln zu erreichen. Aufgenommen wurden jedoch nur Patienten, die leicht an Tuberkulose erkrankt waren – den Weg vom Bahnhof den steilen Berg hoch zur Anstalt musste jeder Patient mit seinem Koffer selbst zu Fuß bewältigen. Der mehrwöchige Klinikaufenthalt umfasste moderate Bewegung und Ruhe an der frischen Luft, Abhärtung mit kaltem Wasser und kräftigende Speisen.
Wegen steigender Patientenzahlen entstand in den 1930er Jahren ein Anbau mit weiteren Krankenzimmern, aus der Heilstätte wurde ein Tuberkulosekrankenhaus mit 140 Betten. In den Folgejahren gingen die Infektionszahlen Dank der Antibiotika-Behandlung deutlich zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier auch Staublunge-Patienten kuriert, die im Bergbau unter Tage im Ruhrgebiet oder dem Saarland beschäftigt waren. Doch mit den Jahren hat sich die klinische Behandlung von Lungenkranken grundlegend geändert. Zudem entsprach das Waldkrankenhaus Rosbach nicht mehr den Anforderungen an ein zeitgemäßes Krankenhausgebäude. Im Jahr 2002 wurde der Klinikbetrieb eingestellt. Das Haus wurde leergezogen, sinnvolles Mobiliar in die Krankenhäuser Holweide, Merheim und Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße der Kliniken Köln verbracht.
Kulisse für „Babylon Berlin“
Seitdem wird das imposante Gemäuer nicht mehr genutzt, wird aber kontrolliert, beheizt und bewacht. Es diente es in der Vergangenheit immer mal wieder als Drehort für Kinofilme: Til Schweiger und Margarethe von Trotta haben hier Filme gedreht, auch war das Team von „Babylon Berlin“ zu Gast. Die Kliniken der Stadt Köln gGmbH als Eigentümer möchte das Gebäudeensemble gerne verkaufen und einer neuen Nutzung zuführen.
Viele Nutzungsmöglichkeiten
„Das Haus bietet viele Chancen, wir freuen uns auf innovative und auch mutige Investoren“, sagt Sigrid Krebs, Pressesprecherin der Kliniken Köln. Teile der Liegenschaft sind denkmalgeschützt, zudem muss die technische Infrastruktur erneuert werden. Aber die Substanz ist gut und das Potenzial groß: Wohnungen, Hotel, Gastronomie und Kultur – vieles ist denkbar. „Viele Windecker haben eine Beziehung zu dem Haus und ich wünsche mir, dass etwas Neues entsteht, was der Region zugutekommt. Bezahlbarer Wohnraum ist in Windeck wegen der guten Anbindung nach Köln gefragt. Eine gemischte Wohnnutzung für Jung und Alt, für Familien und mit einer Pflegeeinrichtung – das wäre eine schöne Nachnutzung für unser Waldkrankenhaus, über die ich mich freuen würde“, so Sigrid Krebs.
Mehr Informationen zum Aktivierungsprozess der REGIONALE 2025: QR-Code mit URL: www.weiter-gehts.com
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