Re-Use konkret: REGIONALE-Forum vermittelte Praxiswissen und Potenziale der Wiederverwendung

Wie können Materialien oder ganze Bauteile wieder genutzt werden? Wie können Kommunen hier Vorreiter sein? Im siebten Forum des Aktivierungs- und Transferprozesses „Weiter geht’s! Bestände weiterdenken, weiterentwickeln, weiternutzen“ am 11. Februar 2026 ging es um zentrale Fragestellungen bei der Wiederverwendung und die wichtige Rolle, die Kommunen dabei einnehmen können.
Rund 30 Teilnehmer*innen schalteten sich unter dem Titel „Re-Use: wie geht das?“ digital zusammen, um Einblicke in Praxis-Beispiele und handfeste Tipps zu erhalten.
Als Referent führte Ioan C. Brumer von Baukreisel in das Thema Wiederverwendung ein und erläuterte zunächst, dass Wiederverwendung nicht das gleiche ist wie Recycling, sondern es bei ersterem darum gehe, die technischen Fähigkeiten der Materialien zu erhalten. Bei 60 bis 80 Prozent der Gebäudemasse seien das die Materialien Beton, Stahl, Ziegel und Holz. Wenn diese – möglichst vielseitig wieder einsetzbar – wiederverwendet werden, könne am meisten CO2 eingespart werden. Nur die Nachnutzung eines Gebäudes spare noch mehr von dem schädlichen Klimagas ein.
Das umfassende Wissen, das sich das Baukreisel-Team in den letzten vier Jahren seit der Gründung zum Thema angeeignet hat, stellte Ioan Brumer anhand von drei Beispielprojekten aus Nordrhein-Westfalen vor: So führte Baukreisel im Rahmen des EU-Förderprojektes circular cities eine Grundlagenuntersuchung einer ehemaligen Schule in Dortmund durch, um zu ermitteln, ob in den augenscheinlich nur noch abrissreifen Gebäuden noch Werte schlummern, die einen Erhalt rechtfertigen. Die Antwort war ein klares Ja! Die gebundene Graue Energie ist durch Vandalismus, Leerstand und Verfall nur sehr wenig verloren gegangen. Sichtbare Mängel wie eingeworfene Fenster, besprühte Wände und sogar Schäden kleinerer Brände seien durch Reinigung zu entfernen oder betroffene Bauteile (Trockenbau, Fenster) ohnehin ausgetauscht worden. Tragwerk und Mauerwerk bildeten den Löwenanteil an Grauer Energie und seien weiterhin verwendbar und sogar für eine Aufstockung nutzbar.
Auch das Beispiel des REGIONALE-Projektes Zanders Geländes in Bergisch Gladbach, bei dem Baukreisel die Zanders-Projektgruppe beim Erfassen und Katalogisieren einiger der gigantischen Hallen unterstützt hat, öffnete den Blick mit der Wiederverwendungsbrille. Hier ging es einerseits um gut wiederverwendbares, weil normiertes und in großen Spannweiten vorliegendes Material. Andererseits aber auch darum, „Altstadt“ nicht mit den tradierten Begriffen von mittelalterlichen Fachwerkinnenstädten gleichzusetzen.
Als drittes Beispiel zeigte Baukreisel eine Studie zu Materialflüssen in Zusammenarbeit mit Baukultur Nordrhrein-Westfalen und der Stadt Gelsenkirchen. Hierbei ging es um die Erfassung einer ortsprägenden, vielfach vorhandenen Typologie und darum, zu ermitteln, welche Materialflüsse die Stadt beim Rückbau in den nächsten Jahren zu erwarten hat. Hierbei kamen auch ganz handfeste Fragen wie „Wie kann so ein Rückbau ausgeschrieben werden?“ und „Welche Prozesse werden benötigt?“ auf. Eine Handreichung dazu ist derzeit in Arbeit und wird voraussichtlich im 3. Quartal 2026 erscheinen.
Beim Forum wurde einmal mehr deutlich, welche Schätze Kommunen mit ihren Leerständen haben – baukulturell, als bereits vorhandene Graue Energie, oder als urbane Minen, die als Materiallieferanten für neue Bauprojekte dienen. Kommunale Abfallwirtschaftsbetriebe können neue Geschäftszweige entwickeln. Es wurde aus der Teilnehmerschaft angeregt, sich auch zu diesem Thema innerhalb der Region stärker zu vernetzen, um die Möglichkeiten noch besser auszuschöpfen. Ein „Netzwerk der Willigen“, aus Vorreitern und Fachleuten, die bereits auf wiederverwendete Materialien setzen, wäre sicher die richtige Antwort auf drängende Fragen dieser Zeit.