„Die Regionale 2025 ist eine Gemeinschaftsaufgabe“

Gruppenfoto drei Landräte
Die drei Landräte (v. l.) Sebastian Schuster (Rhein-Sieg-Kreis), Jochen Hagt (Oberbergischer Kreis) und Stephan Santelmann (Rheinisch-Bergischer Kreis) wollen gemeinsam das Bergische RheinLand nach vorne bringen. Quelle: Michael Bause/TH Köln

Die Regionale 2025 bietet den drei beteiligten Landkreisen eine einmalige Möglichkeit, für das Bergische RheinLand ein starkes und eigenes Profil zu entwickeln. Davon sind die Landräte Jochen Hagt (Oberbergischer Kreis), Stephan Santelmann (Rheinisch-Bergischer Kreis) und Sebastian Schuster (Rhein-Sieg-Kreis) überzeugt. Im Interview sprechen sie über neue Chancen, Lebensqualität vor den Toren der Rheinschiene und die Vorteile, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. 

Der Projektraum der Regionale 2025 umfasst den gesamten Oberbergischen Kreis, den Rheinisch-Bergischen Kreis und den östlichen Rhein-Sieg-Kreis. Welche Chancen ergeben sich durch die Regionale 2025 in Ihrem jeweiligen Landkreis?

Jochen Hagt: Gerade in ländlich geprägten Räumen wie beispielsweise dem Oberbergischen Kreis sind die Herausforderungen vielfältig. Für Oberberg als innovativer Wirtschaftsstandort sind infrastrukturelle Projekte daher von besonderer Bedeutung, aber auch Projekte, um themenübergreifend die Lebensqualität herauszustellen. Das ist gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel ein wichtiger Aspekt. Die hier ansässigen Unternehmen, insbesondere aus Industrie und Gewerbe, sind oft „Hidden Champions“ in ihren Branchen und benötigen auch in Zukunft gute Bedingungen vor Ort. Hier werden wir mit der Regionale 2025 ansetzen und Verbesserungen schaffen. Gleichzeitig punktet der Kreis mit einer attraktiven Fluss- und Talsperrenlandschaft, die auch Menschen von der Rheinschiene zur Naherholung nutzen. Hier gilt es, das vorhandene Angebot weiter auszubauen und an das sich verändernde Freizeitverhalten anzupassen.

Stephan Santelmann: Mit der Regionale 2025 können wir die Weichen für die Zukunft stellen und nachhaltige Strukturen etablieren. Das hilft uns, Themen wie beispielsweise dem demografischen Wandel und Siedlungsdruck aus der Rheinschiene zu begegnen. Insbesondere der steigende Wohnraum- und Gewerbeflächenmangel auf der Rheinschiene wird zunehmend eine Herausforderung. Der Druck aus der Rheinschiene auf die „zweite Reihe“ ist enorm groß, die Bedarfe entsprechend hoch. Gleichzeitig haben wir eine hohe Natur- und Landschaftsqualität, die entsprechend geschützt ist. Deshalb wollen wir vermehrt auf die Reaktivierung von Bestandsflächen und -immobilien setzen. Konversion statt neuem Flächenverbrauch ist das Credo. Aufgrund der überlasteten Verkehrsinfrastruktur in Großstädten und dem mangelnden Mobilitätsangebot im ländlichen Raum spielt auch das Thema der innovativen Mobilitätskonzepte eine wichtige Rolle. Wir wollen im Rahmen der Regionale 2025 basierend auf dem bereits vorliegenden regionalen Mobilitätskonzept Projekte in genau diesen Bereichen auf den Weg bringen.

Sebastian Schuster: Die Nähe zur Rheinschiene ist ein Pfund, wovon unsere drei Kreise profitieren können. Bei allem Vorteil, den wir dadurch haben, geht es aber vor allem darum, ein eigenständiges Profil für das Bergische RheinLand zu entwickeln. Wir wollen das Beste von Stadt und Land nutzen und ausbauen. Das Ziel ist es, den östlichen Teil des Rhein-Sieg-Kreises als attraktiven Wohn- und Arbeitsstandort zu stärken und Entwicklungsimpulse für die Kommunen zu geben. Dazu liegt der Fokus auf den Themen Aus-/Weiterbildung und Bindung von Fachkräften sowie Förderung der Innovationskraft der Unternehmen. Hier ist insbesondere die Nähe zu den Hochschulen in der Region ein weiteres Pfund, das wir nutzen wollen. Auf der anderen Seite gehen mit der Regionale 2025 aber auch verbesserte Mobilitätsangebote oder die Stärkung des Freizeitwerts unserer wertvollen Landschaft einher, sodass die Attraktivität des Bergischen RheinLands in einer Gesamtperspektive angepackt wird.  

 

Was macht diese Regionale so außergewöhnlich?

Jochen Hagt: Das Bergische RheinLand ist ein Teilraum der Region Köln/Bonn. Damit ist der Projektraum dieser Regionale deutlich kleiner als der Handlungsraum der Regionale 2010 – und auch homogener, was wir als Vorteil empfinden. Die Herausforderungen in den drei Kreisen des Bergischen RheinLands sind sich ähnlich. Wir leben im Übergangsbereich zwischen städtischen und ländlichen Strukturen, sind ziemlich eng mit der entwicklungsstarken Rheinschiene verknüpft, aus uns selber heraus aber auch stark. Historisch bedingt sind wir zusätzlich alle eng verknüpft mit den anderen angrenzenden Regionen. Wir haben unser eigenes Profil, das es zu schärfen gilt. Mit der Regionale 2025 wird uns die Chance geboten, daran zu arbeiten. Ein wesentliches Merkmal der Regionale 2025 ist die enge Kooperation der Kreise und Kommunen bei einer Vielzahl von Themen. Wir alle wissen, dass die Arbeit an einer Regionale eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Diese Gemeinschaft wird gelebt und spiegelt sich in zahlreichen verschiedenen Arbeitskreisen auf unterschiedlicher Ebene zwischen den Kreisen, aber auch in interkommunalen Kooperationen.

 

Warum ist diese interkommunale Zusammenarbeit so wichtig?

Santelmann: Die großen strukturpolitischen Herausforderungen lassen sich heutzutage nur im gemeinsamen Schulterschluss lösen. Wer ausschließlich in Einzelprojekten denkt, kommt nicht weit. Für uns als Landräte ist es deshalb wichtig, dass wir unsere Zusammenarbeit intensivieren, unser Vorgehen eng abstimmen und konkret handeln. Ziel ist es, die positive und zukunftsrelevante Entwicklung der Region gemeinsam zu forcieren und im Rahmen der Regionale 2025 die Lebensqualität vor Ort weiter zu steigern. Ein gutes Beispiel dafür sind die Mobilstationen, die jetzt im Rheinisch-Bergischen Kreis etabliert und perspektivisch auch im Oberbergischen Kreis und dem Rhein-Sieg-Kreis umgesetzt werden. Diese werden in jeder Kommune individuell und bedarfsgerecht ausgestattet. Sie sind ein zentraler Baustein, mit deren Hilfe die Verknüpfung von Verkehrsträgern verbessert und das Mobilitätsangebot qualitativ und quantitativ erhöht werden soll. 


Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wie soll das Bergische RheinLand am Ende der Regionale 2025 aussehen?

Schuster: Der Projektraum soll im Rahmen der Regionale 2025 ein eigenständiges Profil entwickeln. Es wäre deshalb toll, wenn am Ende des Zeitraums das Bergische RheinLand als eigenständiger Raum innerhalb der Region Köln/Bonn auftritt und sich seiner Stärken bewusst ist. Ich bin mir sicher, dass dies über innovative und nachhaltige Projekte gelingen wird, die den Menschen vor Ort einen Mehrwert und ein Plus an Lebensqualität bieten. Gleichzeitig ist eine Regionale immer ein Prozess, der vom Dialog unter vielen Akteuren lebt. Insbesondere dem thematischen Diskurs kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Wenn wir es schaffen, umfassende interkommunale Kooperation und viele neue Partnerschaften lokaler Akteure zu initiieren, dann ist die Regionale ein großer Erfolg für uns alle. So viel sei verraten: Wir sind auf einem sehr guten Weg.

 

Erstveröffentlichung des Interviews im TOP-Magazin Köln 03/19

Porträtfoto Landrat Jochen Hagt
Jochen Hagt, Landrat Oberbergischer Kreis. Quelle: Oberbergischer Kreis
Porträtfoto Landrat Stephan Santelmann
Stephan Santelmann, Landrat Rheinisch-Bergischer Kreis. Quelle: klaus.lawrenz_at_qualitaeter.de
Porträtfoto Landrat Sebastian Schuster
Sebastian Schuster, Landrat Rhein-Sieg-Kreis. Quelle: Rhein-Sieg-Kreis

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